Die Tigernacktschnecke - Freundin der Gärtner

Von Meret Gut (Vorstandsmitglied NVVEH)

Tigerschnecke. Fotografiert von Elsbeth Forrer (Vorstandsmitglied NVVEH), Erlenbach.
Tigerschnecke. Fotografiert von Elsbeth Forrer (Vorstandsmitglied NVVEH), Erlenbach.

Liebe auf den zweiten Blick

 

Halten Sie Ausschau nach der Tigernacktschnecke, auch Tigerschnegel oder auf Lateinisch Limax maximus genannt! Vielleicht wird es nicht Liebe auf den ersten Blick sein, aber spätestens auf den zweiten. Sie besitzt wie die braunen Nacktschnecken (Spanische Wegschnecken) kein Häuschen, aber ein auffälliges Tiger- oder Leopardenmuster auf dem Rücken. Sie kann bis zu 20 cm lang werden und ernährt sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial, Pilzen und ganz wichtig für den Gärtner: liebend gerne von Eiern anderer Schneckenarten. Die Tigernacktschnecke ist sogar räuberisch unterwegs und kann dabei auch Exemplare der Spanischen Wegschnecke fressen. Sie ist also eine überaus effektive Schneckenvernichterin.

 

 

Verzichten Sie auf Schneckenkörner

 

Verteilen Sie in Ihrem Garten bitte keine Schneckenkörner, damit schaden Sie nämlich der nützlichen Tigernacktschnecke und zudem auch dem zunehmend unter Druck geratenen Igel (Strassen, zu wenig Versteckmöglichkeiten wegen aufgeräumter Gärten, Überbauung von alten Gärten etc.), welcher auch Nacktschnecken frisst, leider auch die vergifteten Schnecken.

 

 

Tiger im eigenen Garten fördern

 

Die Tigernacktschnecke ist vor allem nachtaktiv. Tagsüber versteckt sie sich in Komposthaufen oder Trockenmauern. Tigernacktschnecken können Sie in Ihrem Garten fördern, indem Sie z.B. einen Steinhaufen, eine Holzbeige oder eben einen Komposthaufen anlegen.
Die Tigernacktschnecke war nicht immer hier in unseren Gärten anzutreffen (so berichten alte HerrlibergerInnen). Sie ist eine Neozoe und wahrscheinlich erst seit ein paar Jahrzehnten bei uns anzutreffen. Neozoen werden bei uns die Tiere genannt, die nach 1492, also nach der Entdeckung Amerikas, zu uns kamen. Tigernacktschnecken können auch bestellt werden (siehe z.B.: https://www.schnegelfarm.de) und/oder auch zu Hause gezüchtet werden, (siehe z.B. https://www.gartenjournal.net/tigerschnegel). Die Frage, ob nützliche Neozoen zusätzlich ausgesetzt werden sollten, muss jeder für sich entscheiden.

 

Paarung in luftiger Höhe

 

Die Tigernacktschnecke ist wie alle Schnecken ein Zwitter; jedes Tier verfügt somit jeweils über einen männlichen und einen weiblichen Genitaltrakt. Trotzdem paaren sich die Tigernacktschnecken, und zwar, um sich gegenseitig mit einem Spermienpaket zu beschenken. Die Paarung findet nachts in der Luft an einem geschützten Ort an einem langen, dicken Schleimfaden statt und dauert bis zu einer Stunde. Eiablagen erfolgen im Sommer, es werden mehrere Gelege à je 100-300 Eiern produziert. Die Eier haben etwa einen Durchmesser von 5 Millimeter.

 

Die frisch geschlüpften jungen Tigernacktschnecken sind winzig und noch weiss. Erst nach etwa ein paar Wochen werden sie zu „kleinen Tigern“. Die Tigernacktschnecke kann zweieinhalb bis drei Jahre alt werden. Tragen Sie Sorge zu ihr und rühmen Sie die Tigernacktschnecke als Ihre Freundin beim nächsten Abendessen auswärts, um ihren guten Ruf als Schneckenvernichterin zu verbreiten.

Literatur: Engelbert Kötter: Schnecken im naturnahen Garten, Cadmos Verlag 2014, ISBN 978-3-840-48111-6