Wer genau hinschaut... - Über Vögel in unseren Gemeinden

VoN Ueli HUBER (Vorstandsmitglied Nvveh)

 

Wer achtsam ist, wird feststellen, dass es auch in unserer dicht überbauten Agglomeration viele Vogelarten gibt, die zum Glück bei uns noch immer ein Zuhause finden. Alle kennen wir die Sperlinge. Aber haben Sie schon einmal festgestellt, dass es Sperlinge und Sperlinge gibt? Solche mit grauen Kappen und solche mit braunen und einem schwarzen Fleck auf der weissen Wange? Das erstere sind die besser bekannten Haussperlinge, von denen es aber im Gebiet, in dem ich wohne, eher weniger hat. Das andere sind Feldsperlinge. Auch die Kohlmeise ist ein bekannter Gast mit ihrem schwarz-weissen Kopf und dem mehr oder minder ausgeprägten GT-Streifen über den gelben Bauch, ebenso die kleinere Blaumeise mit dem blauen Häubchen. Schauen Sie aber genau hin. Ist die Meise etwas kleiner, hat eine schwarze Kappe und einen beige-braunen Bauch, ist es eine Sumpfmeise (Bild unten links). Und mit etwas Glück zeigt sich die Meise mit einem Federbusch: eine Haubenmeise. Und dann noch die Meise, die gar keine ist, sondern nur so heisst, die Schwanzmeise, die sich meist nur an sehr kalten Wintertagen in den Siedlungen zeigt.

 

Sumpfmeise (Bild Ueli Huber)
Sumpfmeise (Bild Ueli Huber)
Goldammer (Bild Ueli Huber)
Goldammer (Bild Ueli Huber)

 

Die Goldammer (Bild oben rechts) ist fast unverwechselbar mit ihrem gelben Kleid. Wir haben sie im Gegensatz zu früher in den letzten Jahren leider nicht mehr in unserem Garten angetroffen. Aber zum Beispiel in der Hecke in der Wängi, kurz vor dem Reservoir, sehen wir sie regelmässig auf unseren Spaziergängen. Auch Mönchsgrasmücken sind da oft anzutreffen und Zaunkönige (von denen wir selten auch einmal einen im Unterholz eines Busches in unserem Garten sehen).

 

Soll man die Vögel füttern und wenn ja, wann? Was man wissen muss: Die Vogelfütterung ist zwar eine schöne Sache und persönlich bereichernd. Mit Naturschutz hat sie aber wenig zu tun. Laut NABU kommt sie bloss etwa 10 bis 15 Vogelarten zugute. Dazu gehören Meisen, Finken, Rotkehlchen und Drosseln. Die meisten von ihnen haben stabile oder wachsende Populationen, und keine dieser Arten ist in ihrem Bestand gefährdet . Hier muss jede|r für sich selbst entscheiden. Die Hardliner betrachten schon die Winterfütterung als unzulässigen Eingriff in die Natur, von der Ganzjahresfütterung ganz zu schweigen. Die andere Fraktion ist viel milder gestimmt, und zunehmend wird nicht nur den harten Winter durch gefüttert, sondern das ganze Jahr. Die Ganzjahresfütterung hat den Vorteil, dass die Vögel regelmässig zu sehen sind und dass zu verschiedenen Jahreszeiten verschiedene Arten kommen: Buch- und Grünfinken zum Beispiel, oder der elegante Kleiber (Bild unten links). (Vögel füttern im Winter - Info & Anleitung von vogelwarte.ch)

 

Kleiber (Bild Ueli Huber)
Kleiber (Bild Ueli Huber)
Distelfink (Bild Ueli Huber)
Distelfink (Bild Ueli Huber)

Im Frühjahr haben wir die scheuen Hausrotschwänze und die etwas rar gewordenen Gartenrotschwänze. Und den Zilpzalp, der ebenfalls aus dem Winterquartier im Süden zurückkehrt, von dem man aber viel öfter sein markantes Zilpzilp Zalp zu hören als den wenig auffälligen Vogel selbst zu sehen bekommt. Das Rotkehlchen kommt meist erst im Frühherbst dazu. Oft ist es ein Wintergast aus nördlichen Gebieten (während unsere Rotkehlchenpopulation im Herbst mindestens teilweise nach Süden zieht). Und wenn dann im Herbst die Nachtkerzen im Garten versamen, kann es durchaus auch einmal vorkommen, dass zischelnd und zwitschernd ein Schwarm Distelfinken (Bild oben rechts) vorbeikommt und sich an den Samen gütlich tut. Im Winter schliesslich kommt auch der Buntspecht gerne am Vogelhaus vorbei – oder das Eichhörnchen (Bilder unten).

 

Buntspecht am Futterhaus (Bild Ueli Huber)
Buntspecht am Futterhaus (Bild Ueli Huber)
Nicht nur Vögel freuen sich über das Futter (Bild Ueli Huber)
Nicht nur Vögel freuen sich über das Futter (Bild Ueli Huber)

 

Nicht zu vergessen: In der Luft haben wir die Raubvögel, allen voran den Rotmilan mit dem typischen, gegabelten Schwanz. Ausserordentlich häufig haben wir letztes Jahr aber auch Schwarzmilane über Herrliberg gesehen. Zwei Turmfalken haben letzten Sommer in Dorfnähe gebrütet (Bilder unten). Wir durften vom Zeugungsakt bis zum Flüggewerden der drei Jungen die ganze Entwicklung mitverfolgen – was für ein Erlebnis!

 

Turmfalken mit Jungen (nahe Wetzwil, 2019) (Bilder Ueli Huber)

 

Ich hoffe, Sie ein wenig «gluschtig» gemacht zu haben zum genaueren Hinschauen. Viel Vergnügen!